Ratgeber · Releases

Release-Plan erstellen: So planst du rückwärts ab dem Release-Tag

Ein Release ist kein Upload, sondern ein Projekt mit festen Fristen. Wenn du ab dem Release-Tag rückwärts planst, weißt du an jedem Tag, was dran ist – und verpasst weder den Spotify-Pitch noch die Presse. Hier bekommst du eine konkrete Wochen-Timeline zum Übernehmen.

7 Min. LesezeitStand 22.10.2026

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Warum du ab dem Release-Tag rückwärts planst

Viele Releases scheitern nicht an der Musik, sondern am Timing: Der Song geht zu spät an den Vertrieb, der Pitch bei Spotify ist nicht mehr möglich, und am Release-Tag gibt es kein einziges fertiges Video. Rückwärtsplanung dreht das um. Du legst zuerst den Release-Tag fest und rechnest von dort aus zurück, bis wann was erledigt sein muss.

Ein paar Fristen sind nicht verhandelbar. Laut Spotify-Hilfe landet ein Song nur dann im Release Radar deiner Follower, wenn du ihn mindestens 7 Tage vor Release über Spotify for Artists pitchst. In seinem eigenen Release-Guide empfiehlt Spotify sogar, mindestens zwei Wochen vorher zu pitchen. Pitchen kannst du aber erst, wenn dein Vertrieb den Release ausgeliefert hat – der Upload muss also noch deutlich früher passieren. Wie viel Vorlauf dein Vertrieb braucht, steht in dessen Hilfebereich; plane lieber großzügig.

Unsere Faustregel für eine Single: acht Wochen Vorlauf ab fertigem Master. Für eine EP oder ein Album planst du mehr Zeit ein, weil Presse, Videos und Promo-Phase länger dauern.

Release-ready: Was fertig sein muss, bevor die Uhr läuft

Die Timeline startet erst, wenn der Song wirklich fertig ist. Release-ready heißt: freigegebener Master, geklärte Rechte, vollständige Credits. Alles, was hier noch offen ist, verschiebt später jede andere Frist.

  • Finaler Master (plus ggf. Instrumental, Clean-Version oder Radio Edit), von allen Beteiligten freigegeben
  • Artwork in dem Format, das dein Vertrieb verlangt – ohne fremde Logos, URLs oder nicht lizenzierte Fotos
  • Metadaten: exakte Schreibweise von Titel und Artist-Namen, Features, Songwriter:innen, Producer:innen, Genre, Sprache, Explicit-Kennzeichnung
  • Splits schriftlich geklärt: Wer hat Musik, wer Text geschrieben, zu welchen Anteilen – am besten per Split Sheet
  • Samples und Features freigegeben – vor dem Release klären, nicht danach
  • ISRC für die Aufnahme – den vergibt in der Regel dein Vertrieb oder Label
Beispiel-Timeline für eine Single (Woche 0 = Release-Woche)
  • Woche −8 Master final, Artwork fertig, Credits und Splits schriftlich geklärt.
  • Woche −7 Upload beim Vertrieb mit allen Metadaten. Content-Konzept und Drehplan schreiben.
  • Woche −6 Release in Spotify for Artists prüfen, Profil und Bio aktualisieren. Content-Drehtag.
  • Woche −5 Pressetext, Pressefotos und privaten Stream-Link fertigstellen. Presseliste recherchieren.
  • Woche −4 Spotify-Pitch einreichen. Erste Mails an Presse und Radio. Release öffentlich ankündigen.
  • Woche −3 Blogs und unabhängige Playlist-Kuratoren persönlich anschreiben. Erste Snippets posten.
  • Woche −2 Bei Presse und Kuratoren nachfassen. Canvas hochladen. Content für die Release-Woche fixieren.
  • Woche −1 Letzte Snippets und Countdown. Alle Links testen. Posts für den Release-Tag vorbereiten.
  • Woche 0 Release. Song auf allen Plattformen prüfen, posten, Community betreuen, GEMA-Werkanmeldung erledigen.
  • Woche +1 Erste Zahlen auswerten, Danke-Posts, Presse mit Live-Link nachfassen.
  • Woche +2 bis +6 Content-Phase 2 (Live-Version, Lyrics, Reaktionen), GVL-Meldung, Learnings notieren.

Distribution und Spotify for Artists vorbereiten

Sobald der Release beim Vertrieb hochgeladen und an Spotify ausgeliefert ist, taucht er in Spotify for Artists unter „Musik“ › „Demnächst“ auf. Ab dann kannst du pitchen, dein Profil vorbereiten und Material hochladen. Prüf direkt nach der Auslieferung, ob der Release beim richtigen Artist-Profil gelandet ist – falsch zugeordnete Releases kosten genau die Zeit, die dir später fehlt.

Aktualisiere Profilbild, Bio und Artist Pick passend zur neuen Phase. Canvas – kurze, loopende Visuals, laut Spotify 3 bis 8 Sekunden lang – kannst du für jeden Track hinterlegen. Countdown Pages mit Pre-Save-Funktion gibt es laut Spotify nur für neue Alben und EPs, nicht für Singles, und erst ab 3.000 monatlich aktiven Hörer:innen. Für eine Single brauchst du für Pre-Saves also andere Wege, etwa über deinen Vertrieb.

Content-Plan: vor, während und nach dem Release

Content frisst am meisten Zeit – deshalb gehört er früh in den Plan. Bewährt hat sich, das Material für die ganze Release-Phase an ein oder zwei Produktionstagen zu drehen, statt jede Woche spontan etwas zu bauen.

Denk in drei Phasen: Vor dem Release baust du Neugier auf – Snippets, Studio-Momente, die Geschichte hinter dem Song. In der Release-Woche gibt es einen klaren Call-to-Action: anhören, speichern, teilen. Danach hältst du den Song am Leben, etwa mit Live-Versionen, Lyrics-Clips oder Reaktionen. Spotify schreibt selbst, dass rund 75 Prozent der Streams eines Releases im ersten Jahr erst nach dem ersten Monat entstehen. Ein Release ist also nach einer Woche nicht vorbei.

  • Hook-Snippets in mehreren Varianten (Hochformat, verschiedene Einstiege)
  • Ein Video, das die Geschichte des Songs erzählt
  • Canvas und Cover-Varianten für Stories
  • Mindestens zwei fertige Content-Ideen für die Wochen nach dem Release

Presse, Blogs, Radio und Kuratoren

Redaktionen planen mit Vorlauf. Magazine und Radio brauchen deinen Song deutlich vor dem Release, Blogs und Playlist-Kuratoren meist einige Wochen vorher. Schick einen privaten Stream-Link statt eines Download-Anhangs, einen kurzen Pressetext und zwei, drei Pressefotos. Schreib persönlich und gezielt an Leute, die deine Musik wirklich covern könnten – zwanzig gut recherchierte Kontakte bringen mehr als zweihundert Adressen im BCC.

Finger weg von Diensten, die Streams oder Playlist-Plätze gegen Geld garantieren. Spotify verbietet das ausdrücklich und kann Tantiemen einbehalten oder Songs aus Playlists entfernen. Wie du seriös pitchst, liest du im Ratgeber zum Spotify-Pitch.

Release-Tag und Nachbereitung

Am Release-Tag selbst sollte nichts mehr produziert werden müssen. Du prüfst, ob der Song überall live ist und alle Links funktionieren, postest den geplanten Content, beantwortest Kommentare und bedankst dich bei allen, die geteilt haben.

Danach kommt der Teil, den die meisten vergessen. Bist du GEMA-Mitglied, melde das Werk spätestens zum Release an: Die GEMA bittet ausdrücklich darum, Werke spätestens mit ihrer Veröffentlichung anzumelden, und möchte für Streaming auch ISRC und Interpret:innen im Portal haben. Hast du als Musiker:in auf der Aufnahme mitgewirkt, kannst du deine Mitwirkung bei der GVL melden. Nach etwa einer Woche lohnt der erste Blick in die Zahlen: Woher kommen die Streams, aus welchen Playlists, aus welchen Städten? Halte fest, was funktioniert hat – das ist die Grundlage für deinen nächsten Plan.

Typische Fehler im Release-Plan

Diese Punkte tauchen immer wieder auf – und alle lassen sich mit einem sauberen Plan vermeiden.

  • Release-Tag öffentlich ankündigen, bevor der Master fertig ist
  • Upload beim Vertrieb erst wenige Tage vorher – dann ist der Editorial-Pitch kaum noch möglich
  • Splits erst nach dem Release besprechen
  • Den gesamten Content am Release-Tag verpulvern, danach Funkstille
  • Massenmails an Presse ohne persönlichen Bezug
  • Keine Auswertung – und beim nächsten Release dieselben Fehler

Quellen · geprüft am 22.10.2026

  1. support.spotify.com/us/artists/article/pitching-music-to-playlist-editors (öffnet in neuem Tab)
  2. artists.spotify.com/blog/release-guide-preparing-for-release-day (öffnet in neuem Tab)
  3. support.spotify.com/us/artists/article/countdown-pages (öffnet in neuem Tab)
  4. support.spotify.com/us/artists/article/third-party-services-that-guarantee-streams (öffnet in neuem Tab)
  5. gema.de/en/music-creators/royalties/music-on-demand (öffnet in neuem Tab)
  6. gema.de/en/help/creators/works-repertoire/submit-a-notification-for-your-works (öffnet in neuem Tab)
  7. gvl.de/rechteinhaber/kuenstler (öffnet in neuem Tab)
  8. isrc.ifpi.org/en (öffnet in neuem Tab)

Allgemeine Informationen, keine Rechts- oder Steuerberatung. Angaben ohne Gewähr, bitte im Einzelfall bei den genannten Stellen prüfen.

FAQ · 4 Fragen

Häufige Fragen.

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Wie lange vorher sollte ich meinen Song beim Vertrieb hochladen?

So früh, dass du danach noch in Ruhe pitchen kannst. Spotify verlangt für den Release Radar einen Pitch mindestens 7 Tage vor Release und empfiehlt im eigenen Release-Guide mindestens zwei Wochen. Wir planen mit vier bis sechs Wochen ab Upload, damit Puffer für Korrekturen an Metadaten oder Artwork bleibt. Die Bearbeitungszeiten deines Vertriebs findest du in dessen Hilfebereich.

Brauche ich für eine Single wirklich acht Wochen?

Nicht zwingend – aber jede Woche, die du kürzt, kostet Möglichkeiten. Mit vier Wochen ist ein Release machbar; dann fallen meist Presse mit langem Vorlauf und ein sauberer Content-Dreh weg. Für EPs und Alben solltest du deutlich mehr Zeit einplanen.

Welcher Wochentag ist der beste Release-Tag?

Freitag hat sich international als üblicher Release-Tag etabliert. Wichtiger als der Wochentag ist aber, dass du in der Release-Woche selbst Zeit hast, präsent zu sein und mit deiner Community zu interagieren.

Was mache ich, wenn ich eine Frist verpasst habe?

Frag dich zuerst, ob die Frist kritisch war (etwa der Pitch) oder nur nice to have. Ist der Pitch nicht mehr möglich und der Release noch nicht öffentlich angekündigt, kann es sinnvoll sein, den Release-Tag ein paar Wochen zu verschieben. Ist alles schon angekündigt, zieh durch und konzentrier dich auf Content und Kuratoren.

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